Mittwoch, 28. November 2007

Whitsundays

Die Whitsundays vor der Küste von Airlie Beach, weiter nördlich zwischen Mackay und Townsville gelegen, sind das Urlaubsziel Nummer 1 der Australier und auch jeder Deutsche, der irgendwann einmal einen Reiseführer über Australien durchgeblättert hat, kennt Whitehaven Beach. Dieser bezaubernde weiße Sandstrand mit kristallklarem Wasser in verschiedenen Blau- und Türkistönen ist so atemberaubend, dass man sein Glück dort sein zu dürfen, gar nicht erst in Worte fassen kann. Die Bootsfahrt dorthin gibt einem schon das Gefühl, im Paradies angekommen zu sein, aber wenn man seinen Fuß auf eine der wunderschönen Inseln setzt, stellt man fest, dass auch das wieder einer der Orte auf dieser Welt ist, an denen man ohne Reue sterben könnte...Hier oben ist es sehr warm, die Luftfeuchtigkeit hoch und natürlich könnte man sich in dem wohltuend kühlen, zauberhaften Meerwasser abkühlen, aber wir haben Stinger-Saison! Das bedeutet, dass vor der Küste Queenslands zwischen November und April diese ekelhaften Quallen mit meterlangen, durchsichtigen Gifttentakeln herumschwimmen und man leider nicht ohne Schutzanzug ins offene Meer sollte. Erwischen diese Stingers einen, wickeln sie ihre giftigen Tentakel mehrfach um sämtliche Körperteile, die sie erwischen können, und sorgen so für Wunden, die mit Brandwunden zweiten Grades vergleichbar sind, und lassen langsam aber sicher eine nicht unerhebliche Dosis Gift ab. Die Folgen sind Kopfschmerzen, Erbrechen und mit Pech eine so üble Vergiftung, dass der Tod die unvermeidliche Folge ist. Viele Leute sind daran schon gestorben und die unzähligen Warnschilder deuten darauf hin, dass es sich lohnt, diese Gefahr Ernst zu nehmen. So kam es, dass ich am schönsten Strand der Welt leider nicht im Bikini baden gehen konnte!!! Weil die Australier sich jedoch den Badespaß nicht verderben lassen wollen, gibt es in den meisten Küstenorten von sehr engmaschigen Netzen abgegrenzte Schwimmzonen im Meer, die Stinger-sicher sind. Wie Ihr Euch denken könnt, sind Nationalparks davon ausgenommen – und damit auch Whitehaven Beach...Aber ich denke, das ist schon gut so, denn ein Nationalpark sollte wirklich möglichst unangetastet bleiben.

Platypusse in Broken River

Die folgende Nacht verbrachten wir wieder am Ende der Welt, diesmal in Broken River. Das Ende der Welt zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass man keinen Handyempfang hat, wie der ein oder andere, der versucht hat mich zu erreichen, schon festgestellt hat. Darüber hinaus gibt es keine Internetcafés, ganz zu schweigen von komfortablen Internetzugang im Zimmer und auch Tankstellen oder Supermärkte sind mindestens 40 km entfernt. Das ist für uns Europäer nur schwer vorstellbar, aber ganz genau so ist es im australischen Hinterland – und das muss gar nicht mal schlecht sein, weil man wirklich abschalten und sich ganz der Natur hingeben kann.Hier in Broken River sollte mein Traum endlich wahr werden! Platypusse beobachten...meinem Lieblingstier, das von vielen Forschern als Laune der Natur betrachtet wird, so nah sein wie nie zuvor. Platypusse sind sehr scheue Tiere, die nachtaktiv sind und ausschließlich in Flussarmen vorkommen, wo sie ihre Höhlen direkt am Ufer bauen. Sie sehen vom Fell her aus wie Biber, haben aber einen Schnabel wie eine Ente – nur in schwarz. Wenn ich von Entenschnabel rede, meine ich nicht etwa einen typischen Entenschnabel, sondern wirklich so einen, wie ihn Donald Duck hat... Dazu hat der Platypus schwarze Schwimmflossen und die Männchen (!) haben einen Giftstachel am Hinterlauf um ihre Revierkämpfchen auszufechten. Unglaublich interessant, zumal der Platypus neben zwei Echidnaarten das einzige Säugetier ist, das Eier legt...Auf zur Beobachtung! Den ersten Versuch startete ich in der Abenddämmerung, was leider wegen des einsetzenden sintflutartigen Regens wenig erfolgreich war. Als Entschädigung gab es ein ausgezeichnetes Abendessen im Restaurant unseres Resorts und ein paar Possums, die dort gefüttert wurden. Bequemerweise befindet sich die Futterstelle gleich vor dem Fenster des Restaurants, so dass man den munteren Kollegen während des Essens beim Essen zuschauen kann.
Da ich ja hartnäckig bin, wenn ich mir mal etwas in den Kopf gesetzt habe, sollte ich am nächsten Morgen schon wieder in aller Herrgottsfrühe aufstehen um einen neuen Versuch zu wagen. Diesmal konnte ich auch ein, zwei Blicke auf den ein oder anderen Platypus erhaschen, aber alles in allem war die Ausbeute wieder nahezu enttäuschend...und das an einem der besten Beobachtungsorte Australiens! Schade, aber sicher ein Grund zurückzukommen – und der gute Weinkeller sowie das ausgezeichnete Essen dort sind auch beim nächsten Mal eine gute Entschädigung.

Forest Flying

Als erstes Abenteuerhighlight unserer gemeinsamen Queensland-Rundreise haben wir uns Forest Flying rausgesucht. Allein der Weg dorthin ist schon ein Abenteuer! Chris, unser kleiner Rennfahrer, musste unser Auto über Schotterstraßen in den tiefsten Busch steuern. Häufig waren diese Straßen nicht breiter als unser Auto selbst und man sollte besser nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn mal Gegenverkehr kommt... Aber da uns ja schon die „No worries“-Lebenseinstellung der Australier in Fleisch und Blut übergegangen ist, entspannen wir uns in solchen Situationen einfach mal...In Finch Hatton Gorge, irgendwo im tiefsten Busch im Hinterland von Mackay haben sich Dave und Donna, ein australisches Ehepaar, einen Stahlseilparcours in bis zu 25m Höhe gebaut, an denen man, gesichert über Klettergurt und Seilwinde, zwischen Baumwimpfeln entlanggleiten kann. Da auch einige Meter Höhenunterschied überwunden werden, kriegt man richtig Tempo drauf – vor allem wenn man nicht bremst! Super Geschichte!!! Die ersten 200m habe ich mit Vollgas zurückgelegt, bin zwischen Palmenwipfeln und Regenwaldvegatation hindurchgefegt und landete zunächst auf der ersten Plattform. Dort erwartete mich Dave, der mich am nächsten Stahlseil befestigte. Dieser etwa 100m lange zweite Teil der Strecke ist besser zum Beobachten der Pflanzen und zahlreichen Fledermäuse geeignet und verleitet zum Glück auch nicht zum Rasen – sonst hätte ich der Versuchung sicher nicht widerstehen können. So aber hatte ich die Gelegenheit, mir die so genannten Fruit Bats genauer anzuschauen. Hier gibt es hunderte, wenn nicht sogar tausende von ihnen. Ich habe noch nie Fledermausbabies aus der Nähe gesehen, die sich, kopfüber an Palmen hängend, an die Körper ihrer Mamas krallen. Nähert man sich ihnen, begleitet vom Surren des Stahlseils, fliegen die meisten Fledermäuse auf und der Himmel wird urplötzlich schwarz.
So konnten wir Adrenalinkick mit Naturbeobachtung verbinden. Was will man mehr?

Regenwaldwanderung

Der Eugenella Nationalpark liegt in guter 1-stündiger Entfernung von Cape Hillsborough entfernt und ist ein wahres Paradies für Spaziergänger, Schwimmer, Wanderer und waghalsige Höhenflieger. Hier sollte unsere erste Regenwaldwanderung stattfinden. Ein schmaler Pfad, gesäumt von Farnen, Palmen, Lianen, riesigen Steinformationen und unglaublich hohen Bäumen, führte uns zunächst zu einem Wasserloch. Schon auf dem Weg kamen uns einige Einheimische in Badesachen entgegen. Dieses Wasserloch ist eine beliebte Abkühlung hier. An dieser Stelle konnten wir uns schon einen ersten Eindruck von der umwerfenden Schönheit des Wasserfalls machen, der unser eigentlicher Grund für die im Endeffekt doch sehr ausgedehnte Regenwaldtour war. Da die Dunkelheit langsam aber sicher hereinzubrechen drohte, mussten wir uns schon sehr beeilen um noch rechtzeitig die weiteren geschätzten 2 km und mehr als 300 Stufen hinter uns zu bringen, die uns vom eigentlichen Wasserfall trennten. Hier bricht die Dunkelheit plötzlich herein, ganz anders als wir es in Deutschland gewohnt sind, wo man doch immer noch eine kurze Vorwarnung in Form von Dämmerung erhält. In Australien ist es so, als würde auf einmal das Licht ausgeschaltet und wenn es gerade noch hell war, so ist es eine Minute später schon stockdunkel. Wenn man dann im Regenwald umherirrt, wo entsprechend viele Steine herumliegen, über die man gut stolpern kann, ist das sicher nicht besonders witzig – ganz zu schweigen von diversen Spinnen, Schlangen und Echsen... Also haben wir die Beine in die Hand genommen und konnten uns sogar noch ein wenig am Wasserfall, der sich in einen natürlichen Swimmingpool ergoss, abkühlen und die Füße ins Wasser halten. Chris und ich sind über verschiedene Steine in Richtung Poolmitte geklettert um einen optimalen Blick auf den sicher 30-50m hohen Wasserfall zu erhaschen. Da ich schon eine Weile auf den Steinen hin- und hergeklettert war, fühlte ich mich auch in der Lage, meine Kamera mitzunehmen damit wir diesen wunderschönen Blick auf den Wasserfall auch gleich festhalten konnten – wie es dann immer so läuft, bin ich natürlich mitsamt Klamotten im Wasser gelandet, konnte die Kamera aber zum Glück noch an Chris weitergeben bevor ich dann völlig im Wasser verschwand. Da gibt es aber auch Schlimmeres! Ich hätte ohnehin ganz gerne dort gebadet, aber aus Zeitmangel hatten wir uns dagegen entschieden – so kam ich dann unfreiwillig doch in den Genuss des klaren, kühlen Wassers und vor allem Chris und Saskia auf ihre Kosten! Ich habe selten so eine dreckige Lache gehört, aber wem erzähle ich das?

Frühstück mit Kängurus

Kaum zu glauben, aber wahr! Frau Thies bemüht sich um 5h aus dem Bett um den Sonnenaufgang in Cape Hillsborough zu genießen. Außer mir schien sich kein Mensch dafür zu interessieren, aber dieser Sonnenaufgang war einer der schönsten, die ich je erlebt habe. Das mag vor allem daran liegen, dass ich zunächst den gesamten Strand für mich hatte, den ich, unter einem Meer an Palmen, in Richtung Osten entlangwandern konnte. Auf einer Landzunge angekommen, die nur bei Ebbe zu erreichen ist, stand ich dann zwischen Mangrovenbäumen, die während der Flut fast restlos im Wasser untergehen. Von dort hatte ich den besten Blick auf diesen imposant aufgehenden Feuerball und hatte das Gefühl, einen einzigartigen Moment NUR FÜR MICH zu erleben – das war mein ganz privater Sonnenaufgang! Als zusätzliches Highlight in dieser absoluten Idylle gesellten sich dann noch 4 Kängurus zu mir, als ich mich zurück in Richtung Cabin aufmachte. Wie schon am Tag zuvor hatten sie sich nicht nur schnell an meine Anwesenheit gewöhnt, sondern wurden auch neugierig und kamen wieder bis auf wenige Zentimeter an mich heran – das allein ist ja schon wunderbar, aber genau dieses Szenario vor einer solchen Kulisse... Hier wäre es nicht schlimm gewesen zu sterben! Ich saß bestimmt eine Stunde im schon um diese Uhrzeit warmen Sand und beobachtete die 4 Kängurus, die sich völlig entspannt in den Sand legten, fraßen, weiterhüpften, zurückkamen und am Ende sogar Revierkämpfe ausfochten. Boxende Kängurus...wow! So etwas hatte ich ja noch nie live gesehen, geschweige denn in freier Wildbahn. Kaum vorstellbar für einen normalen Mitteleuropäer, auch wenn er schon viele Male in Australien war.

BBQ

Zum Abendessen haben wir uns nach guter australischer Manier eine ganze Kuh auf den Grill geworfen. Wir haben die handliche BBQ-Platte erstanden – ein Fest für alle Fleischfresser: 1,5 kg Steak für 4 Personen + Kind. Das ganze schön im Freien zubereitet, ein Alibisalat auf nem Extrateller und lecker Schmausen bis die Sonne untergeht. Die Fleischstücke sind der absolute Wahnsinn! Sie sind so riesig, dass ein normaler Teller gerade noch ausreicht um dem Steak Platz zu bieten. Zwar hängt es dann schon leicht unmanierlich über den Tellerrand hinaus, aber so kann man arbeiten... Für weitere Beilagen wäre eh kein Platz gewesen, daher musste der separate Salatteller reichen – nicht dass wir ernsthaft in Erwägung gezogen hätten noch Kartoffel oder ähnliches zuzubereiten...Zur Sicherheit, man könnte ja verhungern, hatten wir dann noch Lamm-Feta-Frikadellen gekauft, an denen nicht nur wir Gefallen gefunden haben. Wir hatten uns die ganze Zeit darüber gefreut, dass ein Kookaburra in freier Wildbahn gleich neben uns auf einem Ast saß und uns interessiert zu beobachten schien. Die Freude schlug schnell um als er im Sturzflug in Richtung Grill begab und seinen langen Schnabel in eine unserer Frikos stieß! Freches Biest!!! Ehe ich meinen Schuh werfen und das Essen verteidigen konnte, war er aber schon wieder verschwunden – ohne seine Beute. Hoffentlich hat er sich ordentlich den Schnabel verbrannt oder festgestellt, dass er doch Vegetarier ist! Fürs nächste Mal bin ich gerüstet und habe gleich den Schlappen im Anschlag. Als wenn ich mir von nem Vogel mein Abendessen klauen lassen würde! Und dann noch von einem, der einen dann anschließend noch auslacht... Wo kommen wir denn da hin? Da verstehe ich ja überhaupt keinen Spaß... Aber das wir er dann sicher morgen merken – und dann lache ich!

Begegnung am Strand

Ich hatte doch tatsächlich das große Glück schon am späten Nachmittag die ersten Kängurus am Strand zu entdecken! Ein Pärchen hatte es sich dort gemütlich gemacht und ließ mich Stück für Stück näher kommen, so dass ich kaum mehr als 10 Meter von den beiden entfernt im Sand sitzen, sie beobachten und fotografieren konnte. Offenbar hatten sie sich schnell an mich gewöhnt – der eine war dann der Meinung, er müsste mich mal genauer untersuchen und kam in aller Gemütsruhe auf mich zugekrabbelt. Ich, die ich im Sand lag, fand das am Anfang ja noch ganz interessant, aber als der Kollege dann etwa 30 cm neben mir stand und entsprechend größer war als ich, wurde mir doch ganz schnell ganz mulmig... Die scharfen Krallen und die kräftigen Hinterläufe sind ja schon bei den Kängurus in den australischen Streichelzoos imposant. Wenn aber ein wildes Känguru direkt neben einem steht und man keine Ahnung hat wie es auf Menschen reagiert, läuft zumindest vor meinem inneren Auge der Film über boxende Kängurus ab...Also bleibe ich schön liegen, behalte den Kollegen im Auge und hoffe, dass er keine besondere Abneigung gegen Menschen hat, die mit ihrer Kamera bewaffnet auf dem Bauch im Sand liegen. Und schon setzt er zum Sprung an!!!! Ich hab dann mal die Augen geschlossen und gehofft...zum Glück ist er über mich hinweg gesprungen, aber mein Herz hat bis zum Hals geklopft.