Mittwoch, 15. Dezember 2010

Konzertsaison

Heute ging meine Konzertsaison 2010 mit dem U2-Konzert zu Ende. ANZ Stadium hat an diesem schönen Sommerabend zur 360° Tour gerockt und ich bin froh dabei gewesen zu sein. Andere Bands, die ich in diesem Jahr hier in Sydney gesehen habe, sind Powderfinger (mit Jet als Vorband), Smashing Pumpkins, Birds of Tokyo, Manic Street Preachers und Paul Weller. Das schöne an den Konzerten hier ist, dass sie immer im gemütlichen Rahmen stattfinden. Kleine Locations bieten einem die Möglichkeit so nah wie noch nie zuvor in Deutschland an die Künstler heranzukommen. Auch heute im voll besetzten Stadion sind wir erst in letzter Minute reinmarschiert, haben nen Pitstop an der Theke eingelegt und konnten anschließend noch ganz locker recht nah an die Bühne heranlaufen. Das hätte es in Deutschland so nicht gegeben... Ein rundum tolles Konzert:

1.Return Of The Stingray Guitar
2.Beautiful Day / Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (snippet)
3.New Year's Day
4.Get On Your Boots
5.Magnificent
6.Mysterious Ways
7.Elevation / Creep (snippet)
8.Until The End Of The World
9.All I Want Is You / Need You Tonight (snippet) / Never Tear Us Apart (snippet) / Slide Away (snippet)
10.Love Rescue Me
11.Pride (In The Name Of Love)
12.In A Little While
13.Miss Sarajevo
14.City Of Blinding Lights
15.Vertigo
16.Crazy Tonight / Relax (snippet) / Two Tribes (snippet)
17.Sunday Bloody Sunday
18.Scarlet
19.Walk On

Encore(s):

20.One
21.Amazing Grace (snippet) / Where The Streets Have No Name / All You Need Is Love (snippet)
22.Ultra Violet (Light My Way)
23.With Or Without You
24.Moment of Surrender

Dienstag, 9. November 2010

Krötenrennen

Kurz eingecheckt im „At the Mango Tree“ und schon sind wir auf in die Stadt. Der Magen hing schon auf dem Boden und so haben wir uns für ein gutes altes Pub entschieden. Ein Steak bzw. Spareribs später hatten wir die Gelegenheit, uns ein Ticket für das Krötenrennen, das täglich um 20h in der Ironbar stattfindet, zu sichern was wir auch gemacht haben. Wir haben noch gescherzt, da Sandra so schön unter dem Krötenrennenschild saß. Ein Foto, auf dem sie versucht zu gucken wie eine stolze Kröte, die gerade das Rennen gewonnen hat, will ich der Welt nicht vorenthalten.
Ja, da war noch alles lustig...Dann sind wir in die Krötenarena ganz hinten in der Kneipe gelaufen um uns mental auf unseren Sieg vorzubereiten. Wer beim Melbourne Cup erfolgreich ist, sollte doch wohl auch beim Krötenrennen auf das richtige Tier setzen können! Kaum zu glauben dass tatsächlich knapp 60 Leute zusammenkommen um sich ein Krötenrennen anzusehen. Ich weiß ja nicht was Ihr Euch unter nem Krötenrennen vorstellt, aber meine Idee war daß irgendein Parcours abgesteckt würde und die erste Kröte, die es über die Ziellinie schafft, gewinnt. Klingt vernünftig. Da in Queensland aber nichts und niemand auch nur ansatzweise vernünftig ist, sollte sich das Schauspiel ganz anders zutragen. Der Veranstalter war ein australisches Urgestein und sehr unterhaltsam. 6 Kröten sollten ins Rennen gehen und es wurden die notwendigen „Jockeys“ gesucht. Suchen hört sich so freiwillig an, weshalb ich mich auch mit meinem Ticket Nr. 2 in Sicherheit wähnte. Sandra hatte Ticket Nr. 1 – wer kann schon von sich behaupten das 1. Ticket des Abends für ein Krötenrennen erstanden zu haben?! Die 6 Jockeys wurden ausgelost. 5 waren bereits gezogen und die Chancen waren ohnehin sehr gering, so dass ich schon fast auf dem Weg zur Bar war um mir noch ein Bier zu bestellen als Nummer 2 ausgerufen wurde. Gut, kein Bier, dafür auf die Bühne... So weit, so gut... Dann wurden die Spielregeln bekannt gegeben und man musste seine Kröte aus dem einen Eimer heben, sie küssen und anschließend in den Starteimer befördern. Hahaha, toller Spaß! Es war kein Spaß – und das stellte ich ziemlich schnell fest. Der 1. Kandidat war ein Australier, der offenbar jeden Samstag nichts anderes macht als Kröten aus seinem Vorgarten zu entfernen. Der 2. war auch ein Kerl und dann hatte ich die große Ehre „Profound Beauty“ viel Glück zu wünschen und sie in den Starteimer zu heben, in dem sich bereits Whopper (die fetteste Kröte der Welt!) und Mr. Amazing befanden. Leute, die mich kennen, hätten gesehen wie sehr ich mich geekelt habe. Da ich aber keine Angriffsfläche bieten konnte – schließlich wollte ich nicht zur Touristenattraktion des Abends werden – habe ich eins, zwei, drei die Kröte wohl nur mit Daumen und Zeigefinger hochgehoben, einen Kuss angetäuscht und sie schnell wieder abgesetzt. Ekelhaft!!! Die Kröte war ganz rauh und schwammig weich an den Seiten, die ich zu fassen bekommen habe. Meine erste gedankliche Reaktion war loslassen, zurückhüpfen, weglaufen... Ich habe mir aber nichts anmerken lassen und bin somit mehr oder weniger ungeschoren davongekommen. Die anderen Mädels waren allerdings der Hammer! Ich muss sagen, ich habe selten so einen tollen Unterhaltungswert aus Ekel gewonnen. Pia aus Ostdeutschland hat sich geschüttelt wie ein nasser Hund, die Kröte mehrmals versucht zu greifen ohne sich durchringen zu können und man kann sich vorstellen wie der Moderator aus so was Kapital schlägt. Kann ich verstehen – ich würde auch immer schön in die Kerbe hauen. Jeder Jockey hatte eine Gerte in Form einer Karnevalströte (diese Papierdinger, die sich ausrollen wenn man reinpustet) und wir sollten damit die armen Kröten antreiben bis sie, nachdem sie aus dem Eimer gelassen wurden, vom Tisch hüpfen. Sobald eine Kröte vom Tisch hüpft darf man sie einfangen und über die Ziellinie tragen, d.h. in den Zieleimer bugsieren. Es gab mehr oder weniger begeisterungsfähige Kröten. Pias zum Beispiel hüpfte schneller zur Tischkante als ihr lieb war. Meine dagegen war völlig immun gegen jegliches Anfeuern und blieb einfach auf der Stelle sitzen. Auch ein leichter Stubser in den Popo sollte sie nicht motivieren. Während meine also noch mitten auf dem Tisch saß und wahrscheinlich noch nicht mal gerafft hatte dass sie sich frei bewegen durfte, sollte die erste Kröte schon ihren Weg über die Ziellinie finden... So weit ist es gekommen – ich habe ne Kröte „geküsst“ und dann hat die dumme Sau sich noch nicht mal bewegt! Frau Berns hatte köstliche Unterhaltung und hat auch noch auf dem gesamten Heimweg gefeiert dass sie Nummer 1 und nicht 2 hatte. Dass sie sich vor Lachen kaum noch halten konnte und auch ungefähr eine Stunde später noch aus heiterem Himmel Lachkrämpfe mit Tränen in den Augen bekam wundert den geneigten Leser sicher wenig. Auch gerade jetzt sitzt sie neben mir auf dem Sofa, liest diese Zeilen und kichert sich eins...
Alles in allem ne witzige Nacht für Sandra, wäre da nicht der kleine Zwischenfall im Bottleshop gewesen. Und jetzt lach ich! Wir hatten nämlich kurz bevor wir in den Bottleshop gegangen sind Orangensaft, Brot und Käse für unser Frühstück am nächsten Tag gekauft. Wie es sich gehört, haben wir uns Bundycola auf dem Heimweg kaufen wollen und haben daher diesen kurzen Pitstop eingelegt. Ich bezahlte gerade als der Verkäufer den Barcodescanner immer näher in Richtung Sandra schob. Auf die Frage, was er denn damit wollte, antwortete er dass er den O-Saft abrechnen wollte. Da haben wir mal beide gelacht – war ja auch kein schlechter Witz, zumindest bis er auf seinen Kühlschrank zeigte, in dem tatsächlich dieselbe Marke in derselben Größe stand und uns die olle Tante im Laden vorher keinen Kassenbon gegeben hat... Nun denn, wir haben uns irgendwie aus der Situation herausmanövriert ohne den nicht geklauten O-Saft erneut zahlen zu müssen und haben wieder einen Menschen mehr auf dieser Welt, der NICHT mit uns befreundet sein möchte. Kann man verschmerzen... Was ne Torfnase! Als ob wir es nötig hätten O-Saft zu klauen! Ich frage mich wie arm wir wohl aussehen müssen wenn wir im Urlaub sind.

Auf dem Weg nach Port Douglas

Nach einem superfrühen Start – das Taxi kam um 5h – sind Sandra und ich nicht gleich auf von Cairns nach Port Douglas, sondern sind den kleinen Umweg durchs Hinterland, das Atherton Tableland, gefahren. Enge Straßen, die sich serpentinenartig die „Berge“ durch den Regenwald hinaufschlängeln sind immer ein besonderes Highlight für den geneigten Autofahrer mit Bleifuß...
Die Landschaft ist wunderschön und wenn dann das ein oder andere Mal der Überraschungsfaktor einsetzt, weil sich irgendein Verkehrsplanungsgenie überlegt hat, dass eine befestigte Straße auch einfach mal zur allgemeinen Erheiterung in eine unbefestigte Straße münden kann, kommt auf jeden Fall schon mal keine Langeweile auf. Gerade haben wir hier Ananas- und Mangosaison, weshalb wir es uns nicht nehmen lassen konnten, bei einem der Straßenhändler eine frische Ananas zu erstehen. Ein großer Fehler!! Rosario, ein italienischer Einwanderer um die 60, der unglaublich nach Alkohol und Zigaretten stank, schien an uns Gefallen gefunden zu haben und erzählte uns ungefähr 10 mal die gleiche Geschichte. Unter anderem wurden wir mehrfach zu ihm nach Hause eingeladen wenn wir das nächste Mal in Mareeba Urlaub machen würden. Gleich mal an dieser Stelle 2 Kommentare: 1. wir werden NIEMALS, ich betone NIEMALS in Mareeba Urlaub machen...warum auch?! 2. Danke, aber nein danke. Wir könnten dann mit ihm in die Kneipe gehen und trinken. Essen gäbe es auch... er trinkt schon lange nicht mehr viel Alkohol – nur noch ungefähr 1 Liter am Tag. Ich behaupte, er sprach von 1 Liter Rum und hatte mit Sicherheit zwischenzeitlich schon vergessen warum wir eigentlich da vor ihm standen. Das Stichwort Ananas muss dann wohl noch mal gefallen sein oder vielleicht hat auch Sandras Gekrame in dem Münzfach ihres Portemonnaies den Verkaufsreflex getriggert, auf jeden Fall hat er uns dann endlich verkauft was wir wollten und mich mit einer Umarmung verabschiedet, während Sandra noch ganz elegant nur die Hand ausstrecken konnte. Wieder Schwein gehabt, Frau Berns! Es sollte nicht das letzte Mal in diesem Urlaub sein...
So machten wir uns schließlich auf den Weg nach Port Douglas und fuhren die phänomenal schöne Küstenstraße entlang, die jedes Mal ein breites Grinsen auf mein Gesicht zaubert. Wir haben uns viel Zeit gelassen, an jeder Bucht und jedem Aussichtspunkt gehalten, die uns gefielen und natürlich das ein oder andere Foto gemacht.

Dienstag, 2. November 2010

übrigens...

...mein Gefühl hat mich nicht getäuscht und ich habe gewonnen! YAY! 2 Jahre hintereinander...
Dieses Mal habe ich allerdings mal richtig abgeräumt und nicht nur $90 mit nach Hause gebracht. Und gefroren haben wir auch wie die Schneider in unseren tollen Kleidern. Egal - REnnbahnfeeling hatten wir trotzdem - wenn auch mehr so als wären wir im Hollandurlaub als in Australien.

Nach dem Rennen waren wir noch auf ein Glas Sekt im Piano Room in Kings Cross, anschließend bei meinem Lieblings-Thai zum Abendessen. Sandra hat sich bisher super geschlagen und der Jetlag scheint vorerst besiegt - mal sehen, was der morgige Tag so bringt... oder noch schlimmer: die heutige Nacht. Wenn sie nicht pennt und schlafwandelt hau ich sie um! Das ist ja schon mal klar...

Besuch aus Deutschland, Melbourne Cup Day und jede Menge Regen

Heute kommt Sandra an - YAY! Noch etwas über 1h und ich muss los in Richtung Flughafen... so gesehen sollte ich wahrscheinlich jetzt auch eher unter der Dusche stehen als an meinem Blog zu basteln, aber pünktlich war ich ja noch nie und in Australien ist meine Unpünktlichkeit noch schlimmer geworden. Und das, obwohl ich mich hier immer über deren EXTREME Unpünktlichkeit aufrege - ne halbe Stunde hier und da kann man ja gut verkraften. Aber egal, das ist nicht das Thema.
Heute ist Melbourne Cup Day...alle Jahre wieder :) Ich habe 2 Tage Urlaub genommen um mit Sandra und ein paar anderen Freunden zum Pferderennen zu gehen. Zwar werden wir nicht live in Melbourne dabei sein, aber unsere Rennbahn hier hat auch einiges zu bieten und natürlich wird der Melbourne Cup live auf der Leinwand gezeigt. Schade nur dass es ausgerechnet seit gestern in Strömen gießt und die Temperaturen auf 14° gefallen sind! Wie sagte mein Mathelehrer Herr Neumann immer? "Was stört es die deutsche Eiche wenn sich ne Wildsau an ihr schubbert?"... schon witzig, dass mir gerade der Spruch durch den Kopf geht... Getreu diesem Motto schmeißen wir uns nachher trotzdem in Kleider, Hüte und was man sonst noch so braucht. Dann geht's auf zur Rennbahn und es wird gezockt, gequatscht und aufs wunderschöne Leben angestoßen. Während ich hier schreibe hat es aufgehört zu regnen und ich meine die Sonne durch die Wolkendecke erkennen zu können? Endloser Optimismus? Vielleicht... :)
Ich habe es im Gefühl - ich gewinne heute!!!

Donnerstag, 26. August 2010

Flug nach Savusavu

Ich habe wieder mal ne Geschichte, die zur allgemeinen Erheiterung beitragen könnte...
Nach unserem Segeltörn um die Yasawa Islands sollten wir von Nadi aus nach Savusavu fliegen. Das ist ein kleiner Ort auf der zweitgrößten Insel. So weit, so gut. Da wir ja auch schon an Fiji Time gewöhnt waren, konnte man fest damit rechnen dass der Flug nicht pünktlich abfliegen würde. Dennoch sind wir in typisch deutscher Manier mal locker 2 Stunden vor Abflug am Flughafen eingetroffen und haben unser Lager direkt neben den 2! Check-In-Schaltern aufgeschlagen. Die Monitore stets im Blick fragten wir uns wie lange es wohl dauern würde bis da endlich mal ein Update käme... Fiji eben! Auf einmal dann die Lautsprecherdurchsage: Boarding für den Flug nach Savusavu. Interessant, aber halt - fehlt da nicht ein Zwischenschritt? Wie wäre es denn mal mit einchecken BEVOR man boardet? Eine Frage, die es sich durchaus dem Check-In-Personal zu stellen lohnt. Wir sind also gleich hin zum Schalter um diese Frage zu stellen und bekamen die Antwort dass der Flug nun geschlossen sei. Witzig, da er ja gar nicht erst geöffnet wurde... Anke hat die Leute da mal rund gemacht, während ich mich in Schweigen hüllte - mit dicken graue Wolken über meinem Kopf, die das drohende Unheil bereits ankündigten. Ich bekam gewisse Aussagen nur wie im Traum mit - als würde jemand aus weiter Ferne zu mir sprechen - und formulierte meine Antworten im Kopf...hoffe ich jedenfalls! "Nächster Flug 10h"... ja klar, 10h am Arsch! "Monitore kaputt"...Dumm gelaufen für Euch, aber die Lautsprecher wohl nicht, weil ja die Durchsage zum Boarden kam. Ne Durchsage zum Check-In wäre sowohl informativ als auch hilfreich gewesen... "Flug geschlossen, kann man nix machen"... Glaub mir, mein Freund, es lohnt sich für Dich den Flug wieder zu öffnen, sonst hast Du uns nämlich die nächsten 3 Stunden an der Backe - und ich könnte durchaus den Ehrgeiz entwickeln diese Zeit zu den schlimmsten 3 Stunden Deines Lebens zu machen... "Ok, dann checkt mal ein"... HÄ??? Tagtraum??? Wir wurden tatsächlich aufgefordert unsere Koffer auf die Waage zu stellen. Komisch, war das ein Ablenkungsmanöver um Anke zu besänftigen, die mittlerweile zur Höchstform aufgelaufen war? "So, jetzt Passagiere auf die Waage." Haha, sehr witzig... bin ich ein Clown oder was? Verarschen kann ich mich alleine. Anke ist dann schon mal mit Handgepäck auf die Waage gehüpft, ich habe nur böse geschaut und so haben sie sich die Prozedur mit mir gespart. Darüber hinaus haben wir weder Papiere für die eingecheckten Koffer noch Boarding Passes bekommen. Auch interessant! Nun ging es weiter zur Sicherheitskontrolle. "Röntgenmaschine kaputt, muss ich Eure Taschen so durchsuchen"... Prost Mahlzeit - da beeilst Du Dich mal besser, wir sind nämlich schon spät dran! ... In einer Seelenruhe manövriert sich der Kerl durch unser Handgepäck! Gähn! Endlich fertig - überraschenderweise hat er keine Waffen gefunden :o Hätte ich ihm auch vorher sagen können! Hätten wir welche gehabt, wären die schon am Check-In-Schalter zum Einsatz gekommen.
Weiter dann zum Gate, wo uns der nächste Mitarbeiter der "Versteckte Kamera"-Crew aufhielt um uns mitzuteilen dass der Flug nach Savusavu ja schon längst weg wäre, der nächste ginge um 10h und wir könnten uns erst mal hinsetzen. Das war der Moment, in dem ich anfing meinen Kopf zu schütteln und längere Zeit nicht mehr aufhören sollte. Kluger Schachzug vom Schalterpersonal, dachte ich noch als ein einsames Männchen aufgeregt von der Rollbahn auf unser Gate zugelaufen kam. Der kommandierte uns dann mal gleich mit ihm in Richtung Flugzeug zu laufen, weil wir ja den Abflug verzögert haben... ja was nun? Ist der Scheißflieger nun schon weg oder nicht? Enscheidet Euch doch mal!!! Wir laufen also rüber zum Flieger - ein sehr einladender 10-Sitzer mit runder Minitür wie man sie sonst nur von den Häusern in Schlumpfhausen kennt - klettern die 3 Metalltreppenstufen hoch, zwängen uns durch das Loch und nehmen Platz. Außer uns sitzen noch 5 andere Leute im Flieger als wir wieder Schritte hören und der nächste Kopf durch das Loch hereinschaut - da schau an, der Kapitän! Schnell klettert er ins Flugzeug, schließt die Luke und setzt sich in die 1. Reihe um seine Rede zu halten. Und was kommt da aus seinem Mund??? "Kleine Planänderung! Wir fliegen über Savusavu nach Taveuni." Anke konnte sich vor Lachen nicht mehr halten und mein Kopfschütteln nahm mittlerweile Ausmaße an dass ich sicherlich am Rande einer Gehirnerschütterung war. Unfassbar, aber wer kann schon behaupten dass für ihn ein kompletter Flug umgeleitet wurde? Und das alles weil sie Schiss davor hatten die nächsten 3 Stunden mit uns am Schalter zu verbringen. Sicherlich die richtige Entscheidung...

Freitag, 20. August 2010

Segeltörn Yasawa Islands

Am nächsten Tag ging es auf zur Marina von wo aus unser 4-tägiger Segeltörn um die Yasawa Islands startete. Unser Segelboot, "Spirit of the Pacific", war etwa 20m lang und recht voll mit anderen Touristen, davon 10 Italiener, einige Amerikaner und ein holländisches Ehepaar. Die Holländer waren besonders gut drauf. Kein Wunder, war doch Dirk gerade erst in Rente gegangen und hatte zu feiern. Seinen 1. Tag in Rente hatte er im Flugzeug nach Fiji verbracht - auch nicht schlecht! Die Crew bestand aus Fijians, die sehr freundlich und mit ihrer lebenslustigen Art jede Menge gute Laune verbreiteten. Alle konnten gut singen und Gitarre oder Okulele spielen, was sowohl an Deck als auch später auf unserer Insel bei diversen abendlichen Kava-Gelagen mehr als gelegen kam. Die meisten brauchten dringend einen längeren Zahnarztbesuch. Es fehlten doch einige Zähne im Mund und das freundliche Lächeln offenbarte abgebrochene oder angefaulte Schneidezähne. Der Zustand der Zähne ruft einem doch wieder ins Gedächtnis, dass gute Zähne tatsächlich ein Zeichen von Reichtumg sind und vieles, was wir als selbstverständlich betrachten, noch lange nicht überall gewährleistet ist. So könnte man jetzt auch Mindestlöhne diskutieren, aber das lasse ich an dieser Stelle mal weg...zurück zum Segeln. Wir sind gute 5 Stunden bei knallblauem Himmel durch Gewässer gesegelt, in dem sich von dunkelblau bis türkis sämtliche Blautöne wiederfanden. Dazu sind wir an unzähligen kleinen Inseln vorbeigesegelt so dass ich gleich das Gefühl tiefster Entspannung und Zufriedenheit verspürte. Ich hatte mein Inselparadies gefunden! Auf dem Weg nach Drawaqa Island haben wir zum Schnorcheln angehalten und eine atemberaubende Unterwasserwelt erleben dürfen, die sehr an das Great Barrier Reef ganz im Norden Queenslands erinnert. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, befindet sich Fiji doch auf demselben Breitengrad wie die Gegend um Cairns. Wer sich die Inseln schlecht vorstellen kann, hat vielleicht "Cast Away" mit Tom Hanks gesehen. Der Film wurde auf einer der Inseln in Fiji gedreht und überhaupt alle Inselchen westlich der Hauptinsel haben diese wunderschönen weißen Sandstrände, Palmen und gleich ein Korallenriff vor der Tür. Genau so könnt Ihr Euch auch Drawaqa Island (Barefoot Island) vorstellen, wo wir die nächsten 3 Nächte verbringen durften. Barefoot Island ist nur 1km lang und an der breitesten Stelle 500m breit. Es gibt etwa 20 kleine Buren auf der Insel, 3x3m große Holzhütten, die direkt am Strand liegen. Man fällt also quasi morgens aus dem Bett und krabbelt im Halbschlaf mit Taucherbrille und Schnorchel bewaffnet die maximal 30m zum Wasser runter. Sagenhaft! Unsere Bure lag an der Sonnenuntergangsseite der Insel und so haben wir manche untergehende Sonne am Palmenstrand erleben dürfen. Tagsüber ging es immer raus zum Schnorcheln und auch 1x rüber auf die Nachbarinsel, wo wir ein typisches Fiji-Dorf besucht haben. Dort wurden wir vom Chief und seinem Gefolge begrüßt und konnte eine Kava-Zeremonie erleben. Gut daß wir auf unserer Insel abends schon immer fleißig Kava getrunken und die Rituale geübt haben. So hat sich wenigstens keine blamiert - noch nicht mal die Amerikaner! Kava ist eine heimische Wurzel, die getrocknet und anschließend zu Pulver zerstampft wird. Dann wird das Pulver in ein Geschirrhandtuch gewickelt und ähnlich wie Tee in Wasser ziehen gelassen, nur daß das Wasser in diesem Fall kalt ist. Das Ergebnis ist ein Getränk, das aussieht wie Schlamm und auch leicht erdig schmeckt. Trinkt man es, so wirkt es entspannend bis betäubend. Die Zunge wird als erstes betäubt, man fühlt sich aber nicht betrunken wenn man mehr davon trinkt. Ich habe mich sehr schnell an den Geschmack gewöhnt und mich jeden Abend auf der Strohmatte in der Haupthütte mit unserer Crew und einigen Gästen über den Kava hergemacht. Das angesprochene Ritual ist folgendes: Bevor man eine Schüssel mit Kava entgegennimmt (ja, Schüssel - zwar nur eine kleine, die einer dieser chinesischen Teeschüsseln ähnelt) klatscht man 1x in die Hände, sagt BULA, trinkt die Schüssel Kava auf ex (eine meiner leichtesten Übungen) und klatscht anschließend noch 3x um seine Dankbarkeit auszudrücken und dem Chief Respekt zu zollen. Die Jungs haben dabei Gitarre gespielt und fijianische Lieder gesungen, was die angenehme und entspannte Lagerfeueratmosphäre noch verstärkte. Da die Sonne recht früh untergeht, geht man hier auf früh ins Bett (gegen 22h) und steht eben auch früh wieder auf, meistens gegen 6h. So waren unsere Abende gar nicht so lang, es fühlte sich dennoch jedes Mal viel später an als wir uns auf den Weg zurück in unsere kleine Hütte machten, unter sternenklarem Himmel und dem Mond, der uns den Weg leuchtete. Das Essen auf der Insel war auch gut und sehr gesund. Unser aller Highlight war das Abendessen aus dem "Lovo". Fleisch und Gemüse werden in Palmenblätter eingewickelt und einem Erdloch zubereitet, das mit glühenden Kohlen gefüllt ist. Die Palmenblätterbündel werden wiederum mit diversen neuen Lagen Palmenblättern abgedeckt und den ganzen Tag in Ruhe gelassen bis es endlich Zeit fürs Abendessen ist. Lecker! Und wo wir gerade von "in Ruhe gelassen werden" sprechen... es gab so einige Hängematten auf der Insel, in denen man wunderbar lesen und die unschlagbare Aussicht genießen konnte.